Befreit zum Leben

Im Rückblick auf meine Kindheit kann ich sagen, dass sicher nicht alles zum Besten diente.


Von Außen betrachtet, hatten mein Bruder und ich vieles, was andere nicht hatten. Wir fuhren als Familie zweimal im Jahr in den Urlaub, bekamen meist die neusten Kleider und auch mehr Taschengeld als unsere Schulfreunde.     
Mein Vater musste jedoch viel Schicht arbeiten, wodurch er nicht oft zu Hause war und wenn er es dann doch war, stritt er sich oft mit meiner Mutter.


Als es zwischen den beiden wieder einmal eskalierte, sagte mein Vater, dass er gehen würde. Mein Bruder rannte ihm weinend hinterher. Ich stand neben meiner Mutter und verstand die Welt nicht mehr. Trotz der Androhung nicht mehr wieder zu kommen, kam mein Vater doch zu uns zurück.


Dadurch, dass es bei uns zu Hause jedoch alles andere als harmonisch war und mein Vater mir nicht die Anerkennung gab, die ich gebraucht hätte, hing ich mehr und mehr mit meinen Freunden ab.
Bei ihnen fühlte ich mich wohl. Da war ich jemand.
Kurze Zeit später fing ich dann auch an zu rauchen, weil ich einfach dazu gehören wollte. Mein Bruder fing an, Drogen zu nehmen. Als meine Eltern das herausfanden, war es für sie ein herber Schlag. Vor allem meine Mutter machte sich große Vorwürfe.
Da mein Vater durch seine Abwesenheit glänzte, war mein zwei Jahre älterer Bruder für mich ein  Vorbild geworden. Mit ihm zusammen nahm ich das erste Mal Drogen. Das Gefühl, das ich dabei hatte, war unbeschreiblich. Ich fühlte mich geborgen und frei von all meinen Sorgen und die Drogen füllten die Leere in mir aus.
Auch mit meinen Freunden konsumierte ich oft Drogen und im Einkaufszentrum leistete ich mir einen Diebstahl nach dem anderen.
In der Schule lief es nicht wirklich gut, meine Noten wurden immer schlechter und ich schwänzte unzählige Tage. Trotz allem schaffte ich, wenn auch gerade so, meinen Hauptschulabschluss.

Meine Eltern waren mit mir völlig überfordert und der Jugend-Anwaltschaft war ich auch ein Dorn im Auge. So wurde ich in ein Heim geschickt. Für mich war das ein herber Schlag, weg von zu Hause, weg von meinen Eltern, weg von meinen Freunden und meiner gewohnten Umgebung.

In den folgenden zwei Jahren, war mein Leben geprägt von verschiedenen Heimaufenthalten aber entweder hielt ich es dort nicht aus und bin abgehauen oder ich wurde rausgeschmissen.
Als ich dann in einem Heim eine Lehre als Schreiner anfangen konnte, hatte ich endlich etwas in meinem Leben gefunden, das mir Spaß machte. Ich nahm keine Drogen mehr, mit dem Klauen war es allerdings nicht vorbei. Um den „Kick“ dabei noch zu verstärken, raubte ich mit anderen zusammen Leute auf der Straße aus. Eines Tages erwischte uns jedoch die Polizei und ich musste in Untersuchungshaft.
Als ich wieder entlassen wurde, verlor ich meinen Ausbildungsplatz. Bei einer Freundin konnte ich vorübergehend unterkommen. Mir war nichts geblieben, außer einer Vorstrafe wegen Raubüberfall und der anhaltenden inneren Leere und Einsamkeit.

Meine Mutter und mein Bruder waren inzwischen Christen geworden und erzählten mir von Gott und Jesus. Für mich hörte sich das allerdings komisch an, vor allem als mein Bruder mir erzählte, dass Gott ihn von seiner Drogensucht befreit hatte.

Da ich meine Ausbildung auf jeden Fall abschließen wollte, verschickte ich eine Bewerbung nach der anderen. Als ich dann wieder einmal eine Absage bekam, war ich sichtlich am Boden zerstört. Ich fühlte mich ohnmächtig und war verzweifelt. In dieser Situation musste ich an meine Mutter und meinen Bruder zurückdenken, die mir von Gottes Liebe erzählt hatten. Mit dem Gedanken „Wenn es Gott wirklich gibt und er mich wirklich liebt, kann er mir auch eine Ausbildungsstelle schenken“, ging ich in die Kirche. Ich setze mich auf eine Bank und sagte Gott, dass er mir eine Ausbildungsstelle schenken könne, wenn es ihn wirklich gäbe.
Eine Woche später klingelte bei mir das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war ein Ausbilder, den ich im Heim kennen gelernt hatte. Er suchte einen Lehrling, ich einen Ausbildungsplatz und so stellte er mich ein. Zufall? Ich war mir nicht sicher, denn ich hatte Gott ja zuvor um Hilfe gebeten.
Heute weiß ich sicher, dass Gott sich mir durch diese Situation offenbart hat und mir seine endlose Liebe zeigen wollte.



Nachdem ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte, war mein Ziel erreicht und doch fühlte ich immer noch diese Leere in mir und war einsam. Als mich dann auch noch meine Freundin verließ, war alles, was mir im Leben Halt gab, weg.
Da mir die Drogen bisher immer „geholfen“ hatten, fing ich erneut an, sie zu konsumieren und es war schlimmer als je zuvor. Ich verlor Arbeit und Wohnung, lebte auf der Straße und begann sogar Heroin und Kokain zu spritzen. Um die Drogen finanzieren zu können, dealte ich und fing erneut an zu klauen. Ich war ganz unten angelangt.
In dieser Zeit begegneten mir auf der Straße immer wieder Christen, die mir von Jesus erzählten und mich zu einem Entzug ermutigen wollten. Ihre treue und selbstlose Art, ermutigte mich sehr und überzeugte mich von ihrem Glauben. Ich wusste ja, dass Gott mir schon einmal geholfen hatte.
Mir wurde aber auch klar, dass ich aus diesem Teufelskreis nicht alleine herauskommen würde. Mit Tränen in den Augen schüttete ich Gott mein Herz erneut aus und bat ihn um Hilfe.



Was darauf folgte, war ein Entzug und eine Therapie. Die Entscheidung dazu war mir nicht leicht gefallen, doch meine Mutter unterstütze mich dabei sehr weil sie an mich glaubte.
Gott arbeitete an meinem Herzen und machte es weich. Er füllte mich mit seiner unaufhörlichen Liebe völlig aus. Er gab mir die Geborgenheit und Anerkennung, nach der ich schon mein ganzes Leben lang gesucht habe und vertrieb die Einsamkeit und Leere aus meinem Leben.

Heute ist es 8 Jahre her, dass ich an diesem Wendepunkt stand und mich für ein Leben mit Jesus entschieden habe. Wenn ich zurückblicke, sehe ich wie Jesus mich in dieser Zeit beschenkt und verändert hat. Viele meiner früheren Freunde sind wieder rückfällig geworden, im Gefängnis gelandet oder sogar gestorben.

Ich bin Gott unglaublich dankbar, dass er mir geholfen hat.
Sicherlich gibt es auch in meinem Leben nach wie vor Höhen und Tiefen und ich habe zu kämpfen, aber gerade in diesen Zeiten ist Jesus für mich da.
Er sieht meine Schwächen und füllt sie aus mit seiner Stärke.
Mittlerweile habe ich auch wieder ein gutes Verhältnis zu meiner Familie und Jesus hat mir dabei geholfen zu vergeben.




Vielleicht bist Du in einer ähnlichen Situation wie ich es einmal war und merkst, dass du Hilfe brauchst?! Dann möchte ich dich ermutigen und dir sagen: „Für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle!“
Jesus sagt:
Bittet so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.


Mark aus der Schweiz, 31 Jahre